Initiative »Kein Naziaufmarsch in Bad Nenndorf« Gegen Geschichtsrevisionismus und Faschismus, den Naziaufmarsch in Bad Nenndorf blockieren

11Aug/14Off

Rückblick 2014

Bild Love to Block Bad NenndorfEine erste Bewertung der Proteste gegen den Naziaufmarsch in Bad Nenndorf

In diesem Jahr haben wir es nicht geschafft, den Naziaufmarsch in Bad Nenndorf zu blockieren. Es konnte keine Situation geschaffen werden, in der wir ohne Eskalation auf die Strecke gekommen wären, da Polizei und Versammlungsbehörde alles daran gesetzt haben, dass die Neonazis auf ihrer Wunschroute ungestört marschieren konnten.

Wir möchten uns bei allen bedanken, die am 2. August mit uns auf der Straße und hinter den Kulissen aktiv waren. Ohne euch könnte hier kein einziger positiver Punkt genannt werden. Wir danken allen, die sich, teilweise seit Jahren, gegen den Naziaufmarsch in Bad Nenndorf engagieren, unabhängig von der Aktionsform. Wir danken nicht zuletzt denen, die uns durch Spenden unterstützt haben, denen, die Flyer verteilt, Plakate und Aufkleber geklebt haben und denen, die Infoveranstaltungen organisiert haben.

Neben einem generell gutem Gefühl mit euch entschlossen, gemeinsam und massenhaft agiert zu haben, machen wir unseren Erfolg besonders an fünf Punkten fest:

1. Mit einer intensiven Mobilisierung konnten wir rund 500 Menschen nach Bad Nenndorf bringen, die entschlossen waren, dem Aufmarsch durch Blockaden ein Ende zu setzen.

2. Wir haben eine spontane Demo vom Bahnhof zur Auftaktkundgebung von "Bad Nenndorf ist bunt" umgesetzt. In den letzten Jahren haben die Behörden vor Ort alles getan um antifaschistische Demonstrationen zu drangsalieren.

3. Durch kontinuierliche Arbeit vor Ort mit Veranstaltungen, Gesprächen und Flugblättern sind Blockaden in Bad Nenndorf als Aktionsform etabliert. Dieses Jahr gab es erstmals Unterstützung des Blockadeaufrufs durch Menschen aus Bad Nenndorf und dem Landkreis Schaumburg. Nach der erfolgreichen Blockade im letzten Jahr haben sie gemerkt, wie die Polizei antifaschistischen Protest kriminalisiert. So haben sich am 2. August viele mit Schildern als "Politisch motivierte Kriminelle" geoutet und in min. einem Redebeitrag wurde herausgestellt, dass es "manchmal Mutige braucht, die Widerstand leisten und Grenzen überschreiten". Die früher von Polizei und Verfassungsschutz versuchte Spaltung in "guten" bürgerlichen Protest und "bösen" Antifa-Protest ist endgültig gescheitert.

4. Die Polizei hätte jeglichen Gegenprotest am liebsten auf der Bahnhofsstraße in der Nähe des Bahnhofes eingegittert um den Naziaufmarsch ohne Störungen über die Bühne zu bringen. Diesen Gefallen haben wir ihnen nicht getan, sondern uns teils recht entschlossen Richtung Naziroute bewegt. Dabei konnten an mehreren Stellen Polizeiketten durchflossen werden, um so unseren Protest deutlich näher an die Neonazis zu tragen.

5. Dass die Nazis in diesem Jahr nur noch rund 190 Menschen zu ihrem Aufmarsch mobilisieren konnten, ist ein weiterer Rückschlag für den Trauermarsch. Der vielfältige Gegenprotest hat dazu beigetragen, dass der Naziaufmarsch in Bad Nenndorf in der rechten Szene an Attraktivität verloren hat. Wir haben ihnen gezeigt, dass wir keinen Bock auf sie haben und dass wir ihre Propaganda nicht einfach so hinnehmen.

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass sich der Naziaufmarsch in den letzten Jahren am Rande der Durchführbarkeit bewegt. In diesem Jahr waren wieder 1.700 Polizist*innen in dem kleinen Ort im Einsatz, um den Aufmarsch überhaupt zu ermöglichen. Zusammen mit 500 Polizist*innen der Bundespolizei macht das rund 2.200 Beamt*innen, somit nimmt der Polizeieinsatz schon Castor-ähnliche Züge an. Dies ist absurd. Letztes Jahr z.B. wurde einer vorher angemeldeten, antifaschistischen Demo eine Strecke von 200 Meter vom Bahnhof aus in Richtung eines Ackers genehmigt, weil die angemeldete Route wegen Baustellen nicht begehbar sei. In diesem Jahr stellte für die Versammlungsbehörde die Baustelle in der Poststraße kein Hindernis für den Naziaufmarsch dar.

Bei weiter sinkender Teilnehmer*innenzahl der Neonazis, sollte dieses Vorgehen selbst in der Logik der Behörden bald keinen Sinn mehr ergeben. Da bereits jetzt der Polizeieinsatz, inklusive aufgefahrenen Wasserwerfern, in keinem Verhältnis mehr zum Anlass steht, müssen sich die Verantwortlichen im Innenministerium fragen lassen, wie "Antifaschismus auf allen gesellschaftlichen Ebenen" (laut Koalitionsvertrag), ihrer Meinung nach, in Bad Nenndorf umgesetzt werden kann. Bisher scheint der politsche Wille gänzlich zu fehlen.

Um Bad Nenndorf als Aufmarschgebiet für die Neonazis endgültig zu knacken, brauchen wir auch weiterhin Entschlossenheit, denn es wird schwer, ist aber nicht unmöglich. Gerade deswegen war und ist es weiterhin wichtig, dem Aufmarsch durch gemeinsame, entschlossene und massenhafte Aktionen ein Ende zu setzten!

Dann wohl wieder im nächsten Jahr,

Eure Intitiative mit ♥

veröffentlicht unter: Allgemein Kommentare
Kommentare (0) Trackbacks (0)

Die Kommentarfunktion ist hier derzeit deaktiviert.

Noch keine Trackbacks.